Zwei Frauen stehen vor der Rolltreppe
mit einem Fuß fast auf den singenden Stufen
Und plaudern
über Duisburg und Tobias‘ Projektjob
Die Rentnerin mit Stock muss die Beiden ansprechen
Den Weg freizugeben
Sie schafft die tote Treppe nicht,
Braucht die selbststeigenden Stufen,
sie wird mit einem „Entschuldigung-wir-sind-nur-Mädchen-Lächeln“
und einem Achtel-Schritt zur Seite
ignoriert.
Dann ist Tim in Augsburg dran, in der Redaktion dieses Regionalmagazins
eigenes Ressort? nein Volontariat,
dann Merle in Brüssel,
macht einen Kurzfilm? Festival? nein, Werbung,
Die hat da Leute kennengelernt von der europäischen Lebensmittelkontrolle!
Der Tätowierte mit Hund wird unwirsch mit einem spitzen Blick
und einer Kopfdrehung zur Seite nach oben
ignoriert.
Zwei Frauen stehen vor der Rolltreppe,
und plaudern.
Zwei telefonierende Frauen mit Kopftuch
sagen irgendetwas,
die beiden Frauen haben es mit einem „ich verstehe gar nicht was sie sagen“ in den rollenden Augen
ignoriert.
Dann weiter Fragen und Antworten nach Marc, Sina, Björn, Mari
und Unana.
„Was ist das denn für ein Name,
Vater aus Liberia, Mutter Italienerin, abgekürzt Una, du verstehst,
und wolltest du nicht ein Kind, du bist doch schon Mitte dreißig.“
Ein Moment steht die Welt still.
„Seit Ari im FameLab in Jena präsentiert hat, ist er viel unterwegs mit seinem Doktorthema.
Ich will schon, dass das Kind einen Vater hat.“
Zwei Frauen stehen vor der Rolltreppe
und plaudern.
Jemand brüllt. Es klingt wie ein*e ungeduldige*r Berliner*in.
Gemeint sind die beiden Frauen.
Sie zucken zusammen. Sie verstehen irgendwie nicht, was diese drängenden Menschen eigentlich von ihnen wollen.
Sie würden ja so gern zur Seite,
aber da stehen doch schon so viele Menschen, die auf die Rolltreppe wollen.
Sie stellen sich mit stolzem Blick auf die stählernen Stufen,
aufwärts fahrend und blickend,
als wären es die Menschen, die auf die Rolltreppe wollen,
die mit dem Problem.
„Na jedenfalls werden wir das Kind nicht hier haben“ sagt die Mutterwollende
und schwenkt
den Hermannplatz mit gehobenen Brauen überfliegend
den Kopf
über die soziale Randwelt
die sie heute noch mit ihrer Präsenz beehrt
und die morgen nicht mehr gut genug für sie und ihr Kind sein wird.
„Der neue Schuhladen in der Weserstrafle oder erst was essen im Bioladen?“
„Warum nicht beides, wir haben doch nichts zu tun.“